Frauen.Macht.Politik – politischer Stammtisch mit Wiebke Knell
Warum engagieren sich trotz großen Interesses noch immer vergleichsweise wenige Frauen politisch? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Stammtischs „Frauen.Macht.Politik“, zu dem die FDP Butzbach ins Ristorante La Piazza eingeladen hatte. Mit dabei waren zahlreiche interessierte Frauen – auch jenseits der FDP – sowie Männer, die sich aktiv an der Diskussion beteiligten.
Als Gesprächspartnerin war Wiebke Knell zu Gast. Die Fraktionsvorsitzende der FDP im Hessischen Landtag sprach offen über die Ursachen der Unterrepräsentation von Frauen in der Politik. Neben Zeitproblemen und mangelnder Vereinbarkeit von Familie und politischem Engagement spiele auch die politische Kultur eine zentrale Rolle.
„Politik ist oft familienfeindlich organisiert“, so Knell. Termine am Abend, lange Sitzungen und spontane Belastungen passten häufig nicht zum Alltag vieler Frauen. Während Männer häufiger einfach Dinge ausprobierten, wollten Frauen oft erst sicher sein, einer Aufgabe wirklich gerecht werden zu können.
Knell betonte zudem, dass politische Kultur vor Ort beginne. Kleinere Projekte, planbare Termine, effizientere Sitzungen und mehr Respekt vor der Zeit anderer könnten politische Beteiligung erleichtern. Wichtig sei außerdem, Frauen sichtbarer zu machen und junge Menschen früh ernst zu nehmen. „Man darf sich nicht unterkriegen lassen“, gab sie insbesondere jüngeren Interessierten mit auf den Weg.
Auch Andrea Rahn-Farr, Kreistagsabgeordnete aus Büdingen, brachte eigene Erfahrungen ein. Frauen nähmen sich häufig selbst zurück und seien nicht selten besonders kritisch gegenüber anderen Frauen. „Der Vorwurf der ‚Rabenmutter‘ trifft fast nie Männer“, lautete eine der pointierten Beobachtungen des Abends. Als möglicher Ansatz wurden unter anderem Doppelspitzen oder geteilte Verantwortlichkeiten diskutiert.
Im Laufe des Abends entwickelte sich eine offene und persönliche Diskussion, in die sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit eigenen Erfahrungen, Beobachtungen und Fragen einbrachten. Dabei ging es nicht nur um strukturelle Hürden, sondern auch um Selbstbilder, Erwartungen und den Umgangston in politischen Debatten. Gerade diese Mischung aus persönlichen Erfahrungen und politischer Praxis machte den Reiz des Abends aus.
Neben Knell und Rahn-Farr nahm auch der Wetterauer Kreisbeigeordnete Wolfgang Patzak an der Diskussion teil. Für die FDP Butzbach war der Stammtisch ein bewusst offenes Format und sehr erfolgreich. „Wir wollten keinen Vortrag organisieren, sondern ein ehrliches Gespräch ermöglichen“, so Ortsvorsitzender Dr. Matthias Dubowy. „Kommunalpolitik beginnt direkt vor der eigenen Haustür. Wer sich einbringt, kann Dinge sichtbar verändern – und wir möchten ausdrücklich mehr Frauen ermutigen, diesen Schritt zu gehen. Gerade auf kommunaler Ebene braucht es keine jahrelange politische Karriere, um mitreden und mitgestalten zu können. Die FDP Butzbach versteht sich nicht als geschlossener Zirkel, sondern als offenes Angebot für Menschen, die neugierig sind und sich einbringen möchten“, so Dubowy abschließend.
